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Workshop: Geruchstarnung mit Buchenholzteer - Bau einer "Stinkmorchel"
Von: Jörg Manthey (Joggel) 29.05.2008

Buchenholzteer für die Hosentasche

Buchenholzteer ist eine schmierig-klebrige Angelegenheit. Vor einiger Zeit las ich in der Rubrik Tips & Tricks in einer unserer Jagdzeitungen von einem Jäger, der immer ein Glas Buchenholzteer dabei hatte. Beim Ansitz stellte er das geöffnete Glas einfach neben sich, um so seine eigenmenschliche Witterung dem Wild gegenüber zu übertünchen - olfaktorische Tarnung also. Seinem Empfinden nach mit Erfolg.

Eine gute Idee, dachte ich mir so. Eines Tages rollte mir dann so eine Spritzkartusche, wie man sie gewöhnlich für Silikon und anderes Dichtungsmaterial erhält, gefüllt mit Buchenholzteer vor die Füsse.
Ein tolles Zeug: geruchsintensiv, klebrig-schmierend, hinterlässt gerne bleibende Eindrücke in der Ausrüstung, speziell in der Bekleidung - wo es sich sehr hartnäckig hält icon_frown

Das Zeug in einem Glas immer mit dabei und alles einsauen? Never! Aber ich hatte da eine Idee...

Wenn es um Gerüche geht, sind wir ja auch alle ganz gross: wir benutzen jeden Tag irgendwelche Mittelchen gegen Körpergeruch. Und die sollen auch immer nur genau dort hin, wo sie gebraucht werden: an den Körper. Und die Mittelchen sollen überhaupt nicht überall an die Klamotten, ans Frühstücksbrot oder an alles andere, was uns umgibt.
Das Problem war also schon längst gelöst - fast. Deodorants sind in der Regel entweder flüssiger als Buchenholzteer oder gar eher in Festform. Es musste also eine Duftverwahrung her, die sowohl dem Buchholzteer durchaus seine volle geruchliche Entfaltungsmöglichkeit liess, als auch die zäh-klebrige Masse an sich im Zaum zu halten - für die Hosentaschentauglichkeit.

BAC hat noch Deo Sticks im Programm, in denen man anstatt der Deo-Masse eine kleine Farbrolle aus dem Baumarkt einsetzen kann. Was dabei rauskommt habe ich im folgenden dokumentiert:

Materialliste:

- 1x BAC Deo-Stick (gibt es sogar in grün icon_wink )
- 1x 6cm Farbrolle (Plüsch, Schaumgummi löst sich auf)
- 1-2x Schraubhaken
- Buchenholzteer

Werkzeug:
- Heissklebepistole
- Akkuschrauber mit (Senk-)Bohrer
- Lötkolben
- alternativ: dicker Nagel & Feuerzeug



Vorbereitung des leeren Deo-Sticks:
wenn der Deo-Stick aufgebraucht ist, schraubt man einfach den Führungsring für die Deo-Masse raus und wäscht die Deo-Reste vom Führungsring und Gehäuse in warmem Wasser aus. Der Führungsring wird später die Farbrolle aufnehmen.

Da die Farbrolle etwas kürzer ist als die ursprüngliche Deo-Masse und der Führungsring später umgekehrt im Gehäuse sitzen wird, müssen wir die Farbrolle an beiden Seiten öffen. An der Unterseite (die eigentliche Aufnahme für den Farbrollenhalter) müssten wir die Aufnahme so aufbohren, daß der Gewindekanal des Führungsringes in den Aufnahmehülse der Farbrolle passt. Am besten geht das mit einem Senkbohrer, der kann sich nicht festfressen und lässt den schönen Plüsch in Ruhe. Auf den Bildern ist noch ein Holzbohrer zu sehen - stellt Euch einfach vor, es wäre ein Senkbohrer icon_wink



Am oberen Ende der Farbrolle muss man noch Platz für das Gewinde schaffen, auf dem der Führungsring läuft. Da der Führungsring, wie schon beschrieben umgekehrt auf dem Gewinde laufen wird und die Farbrolle kürzer ist, muss das Gewindeende oben durch die Rolle kommen können, sonst läuft man Gefahr die Farbrolle vom Führungsring abzudrehen. Man könnte auch das Gewinde im Gehäuse versuchen zu kürzen. In diesem Fall habe ich mit dem Lötkolben einfach ein Loch reingeschmolzen - die Farbrollen sind in der Regel Komplett aus Kunststoff, das geht also butterweich.



Der Deo-Stick und die Farbrolle sind jetzt für die 'Endmontage' vorbereitet.

Klebepistole anschmeissen.

Jetzt wird der Führungsring mit dem Gewindekanal in den
Aufnahmehülse der Farbrolle gesteckt. Ich habe für einen besseren Sitz des Führungsringes zusätzlich noch kleine Nuten in den Aufnahmehülse der Farbrolle geschnitten. Sitzt alles an Ort und Stelle? Dann her mit der Heissklebepistole.



Aber Achtung: durch den
Aufnahmehülse der Farbrolle muss später das Gewinde laufen - die darf also nicht mit Kleber vollgeknallt werden!
Am besten füllt man alles rund um den Gewindekanal satt mit Kleber, so daß der Gewindekanal sicher in der
Aufnahmehülse der Farbrolle sitzt und noch zusätzlich schön mit dem Plüsch verbunden ist - sicher ist sicher icon_wink .



Das war es dann eigentlich schon. Der Führungsring mit der Farbrolle kann jetzt in das Gehäuse gesetzt und rein- und rausgeschraubt werden. Jetzt kann man den Plüsch schön satt mit Buchenholzteer einwirken lassen - riecht gut! Reinschrauben, Deckel drauf, ab in die Hosentasche - schmiert nicht, klebt nicht!



Man kann jetzt zusätzlich noch die Schraubhaken anbringen - nicht immer hat man einen sicheren Stellplatz. Ich habe immer ein Stück Schnur dabei, an dem ich die 'Stinkmorchel' sicher aufhängen kann. Der Haken im Schraubboden ist verklebt und dient zum Aufhängen, der am Deckel zur Sicherung des Deckels, wenn nötig.



Die 'Stinkmorchel' zählt jetzt seit Jahren fest zur mitgeführten Ausrüstung: sie riecht nur dann, wenn sie soll, sie schmiert nix voll, nimmt keinen Platz weg, wiegt nichts und ist günstig in der Anschaffung.


Viel Spaß beim Nachbauen!


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